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Toilettenpapier: Wahl zwischen Hygiene und Umweltschutz?

Toilettenpapier ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Es ist für unsere persönliche Hygiene unerlässlich. Im privaten Bereich kommen auch Bidets oder wiederverwendbare Hygienetücher zum Einsatz. Gemessen am Verbrauch an Toilettenpapier spielen sie allerdings eine untergeordnete Rolle.


In Deutschland wird die Qualität eines Toilettenpapiers von den Nutzern in der Regel mit der Anzahl der Papierlagen je Blatt gleichgesetzt. In anderen Ländern spielen Weichheit, Reißfestigkeit und Saugfähigkeit eine höhere Rolle.


Toilettenpapier wird – wie die meisten Papierprodukte – aus Holz hergestellt. Und damit stellt sich sofort die Frage der Nachhaltigkeit von mehrlagigem Papier im Vergleich zu einlagigem Papier.




Toilettenpapier Ständer1



Der Verbrauch von Hygiene-Tüchern in Deutschland liegt seit vielen Jahren zwischen 18 und 19 kg pro Person und Jahr. Der Begriff Hygienetücher umfasst u.a. Toilettenpapier, Papierhandtücher, Taschentücher, Kosmetiktücher und Küchentücher. Die Altpapiereinsatzquote für alle Papierprodukte in der deutschen Papier-Industrie liegt bei 79%. Im Bereich der Hygiene-Tücher ist sie in den letzten 20 Jahren deutlich von 75% auf 47% gesunken.2



Warum ist die Altpapiereinsatzquote wichtig?


Die Ökobilanz für Hygiene-Tücher zeigt, dass in fast allen betrachteten Kategorien Recyclingpapier deutliche Vorteile gegenüber Frischfaserpapier hat. Durchschnittlich spart die Produktion von Recyclingpapier 78 % Wasser, 68% Energie und 15% Wasser im Vergleich zu Frischfaserpapier. Die Holzentnahme für Frischfaserpapier bedeutet immer einen Eingriff in das Wald-Ökosystem und ist daher mit Risiken verbunden z.B. Biologische Vielfalt, Nitrat-Einträge in das Trinkwasser.


Holzentnahme und Papierproduktion in Deutschland unterliegen strengen Auflagen. 75% des in Deutschland verarbeiteten Zellstoffs, dem Ausgangsmaterial für Hygienetücher, wird importiert. Zunehmend aus Holzplantagen die auf gerodeten Urwäldern in den Tropen und Subtropen angelegt wurden.



Was bedeutet das alles?


Wird Toilettenpapier aus Frischfasern hergestellt, dann ist der Papiergehalt je Blatt – aus wie vielen Lagen besteht ein Blatt - ein direktes Maß für den Holzverbrauch: Je mehr Lagen, desto umweltschädlicher ist es. Hygienepapiere sind Einmalprodukte. Nach Gebrauch werden sie in der Toilette oder dem Restmüll entsorgt und damit dem Recycling-Kreislauf dauerhaft entzogen.


Da in Deutschland viel Papier recycelt wird und Toilettenpapier aus 100% recyceltem Papier jederzeit auf dem Markt erhältlich ist, kann mit gutem Gewissen ein mehrlagiges Papier mit dem Kennzeichen des „Blauen Engels für 100% Altpapier“ genutzt werden.



Was ist der „Blaue Engel“


Der Blaue Engel ist ein in Deutschland seit 1978 vergebenes Umweltzeichen für besonders umweltschonende Produkte und Dienstleistungen. Träger ist das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Eine Vielzahl von gesellschaftlichen Gruppen und Behörden sind am Vergabeverfahren beteiligt und verleihen dem Siegel dadurch eine hohe Akzeptanz. In das Vergabeverfahren eingebunden sind z.B. das Umweltbundesamt, Verbraucherverbände, Industrie, Handel, Kommunen und die Wissenschaft. Der Blaue Engel ist in vielen Produktbereichen zu finden, z.B. Papier, Elektrogeräte, Farben, Waschmittel, Computer und Handies.3







Die mit dem Blauen Engel ausgezeichneten Produkte sind umweltfreundlicher als vergleichbare Produkte und stellen ein „so wenig wie möglich, so viel wie nötig“ an Umweltbelastungen für das untersuchte Kriterium dar. Im Fall von Toilettenpier, die Herkunft und Verarbeitung des Papiers.3



Wie kann ich persönliche Hygiene und Umweltschutz miteinander verbinden?


  • Nicht mehr benötigtes Papier, Zeitungen usw. zum Altpapier-Container bringen.

  • Hygienetücher ohne Plastikverpackungen kaufen. (Mehr oder weniger unmöglich.)

  • Sparsamer Ver- und Gebrauch.

  • Hygienetücher aus 100% Altpapier – Blauer Engel – kaufen. Die Anzahl der Lagen ist nicht entscheidend.

  • Hygienetücher aus Frischfasern vermeiden. Je mehr Lagen pro Blatt enthalten sind, desto weniger umweltfreundlich ist das Produkt.


Seit der Corona-Pandemie werden vermehrt „wiederverwertbare“ Hygienetücher angeboten. Dabei handelt es sich um Stofftücher die nach dem Gebrauch gewaschen und wieder verwendet werden. Diese Produkte müssen zwischen Gebrauch und Reinigung komplett separat von regulärer Wäsche gehalten werden, um die Verbreitung von Krankheiten zu verhindern. Eine Ökobilanz dieser Produkte und der Vergleich zu Toilettenpapier ist bisher nicht erstellt worden.



Viel Spaß beim nächsten Einkauf als aufgeklärter Konsument in Sachen Hygienetücher und am Altpapier-Container.



Danke für die Aufmerksamkeit.


Jutta Lauf

Dr. rer. nat Biochemie




References

2. Frank Wellenreuther, et al.,Aktualisierte Ökobilanz von Grafik- und Hygienepapier, Für Mensch und Umwelt 123, Umweltbundesamt, Wörlitzer Platz 1, 06844 Dessau-Roßlau, Dessau-Roßlau (Germany), 2022.


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