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ADHS - Bin Ich krank oder einfach nur anders?

In diesem Beitrag möchte ich tiefer in die komplexe und kontroverse Welt der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHD) eintauchen. Mich fasziniert die Evolution dieses Begriffs, der seine Wurzeln in früheren Diagnosen wie „minimale Gehirndysfunktion“ und „Hyperaktivität“ hat. Diese Diagnosen und ihre Behandlungen, insbesondere die starke Abhängigkeit von Stimulanzien, wurden damals stark kritisiert. Fast ein halbes Jahrhundert später sehe ich, dass diese Kritikpunkte immer noch auf ADHD zutreffen, was mich zu der besorgniserregenden Erkenntnis führt, dass es in der Kinderpsychiatrie kaum Fortschritte in diesem Bereich gegeben hat. Dieser Gedanke motiviert mich, die wissenschaftliche Grundlage von ADHD genauer unter die Lupe zu nehmen und zu verstehen, warum dieser Mangel an Fortschritt existiert.


Die Wurzeln von ADHD


Mein Interesse an der Entwicklung von ADHD wurde geweckt, als ich erfuhr, dass es ursprünglich als Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADD) im DSM-III eingeführt wurde. Es scheint, als hätten verschiedene frühere Begriffe, die zur Beschreibung dieser Zustände verwendet wurden, sich in der neuen Bezeichnung ADHD vereint. Doch was mich wirklich fasziniert und gleichzeitig beunruhigt, ist die Tatsache, dass die Diagnose und Behandlung von ADHD – insbesondere die starke Abhängigkeit von Stimulanzien – ähnlich kontrovers diskutiert werden wie ihre historischen Vorgänger. Diese Parallelen werfen ein beunruhigendes Licht auf den offensichtlichen Mangel an Fortschritt in der Kinderpsychiatrie. Ich frage mich, ob wir tatsächlich neue Wege in der Behandlung und Diagnose von psychischen Störungen bei Kindern gefunden haben oder ob wir lediglich alte Konzepte unter neuen Namen wiederholen.


Wissenschaftliche Integrität von ADHD




Die wissenschaftliche Integrität von ADHD zu hinterfragen, ist für mich unumgänglich und gleichzeitig eine Herausforderung. Es erscheint mir, dass die Akzeptanz von ADHD im DSM-III eher das Ergebnis eines Kompromisses zwischen verschiedenen Theorien als einer soliden wissenschaftlichen Grundlage war. Insbesondere die Einflüsse der biologischen Psychiatrie und der kognitiven Psychologie auf die Konzeption von ADHD erscheinen mir heute nicht mehr stichhaltig. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Entscheidung für ADHD mehr durch theoretische Bias und Kompromisse geprägt wurde, als durch empirisch belegte Forschung. Diese Betrachtung lässt mich zweifeln, ob die wissenschaftliche Methodik und Integrität, die ich in der Psychiatrie erwarte, in diesem Fall wirklich angewendet wurde. Die Konsequenz dieser Erkenntnis ist beunruhigend, denn sie stellt die Grundlagen der Diagnose und Behandlung von Kindern mit schwer zu handhabenden Verhaltensweisen in Frage.


Die politische Dimension der DSM-III-Entwicklung


Die Entwicklung des DSM-III war nicht nur ein wissenschaftlicher, sondern auch ein politischer Prozess. Die verschiedenen Kräfte im psychiatrischen Feld verhandelten intensiv darüber, was letztendlich im DSM aufgenommen werden sollte. Diese Tatsache lässt mich daran zweifeln, ob die Aufnahme von ADHD in das DSM-III wirklich rein wissenschaftlich motiviert war. Vielmehr scheint es, als hätten politische und professionelle Interessen eine größere Rolle gespielt, als ich es für ein medizinisches Diagnosewerkzeug für angemessen halte. Dieser politische Prozess könnte dazu beigetragen haben, dass die wissenschaftliche Basis, die ich in der Psychiatrie voraussetze, in diesem Fall möglicherweise vernachlässigt wurde. Diese Erkenntnis führt zu der besorgniserregenden Frage, wie viele der heutigen psychiatrischen Diagnosen ähnlich politisch motiviert sind und nicht unbedingt auf soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.



Der Einfluss von Paul Wender und die Kognitive Psychologie




Paul Wender, ein prominenter Kinderpsychiater, hatte einen erheblichen Einfluss auf die Schaffung von ADHD. Er verband das Interesse an Aufmerksamkeitsstörungen mit Forschungen aus der kognitiven Psychologie. Doch die Grundannahmen dieser Disziplin, die das Gehirn mit einem Computer vergleichen, erscheinen mir heute fragwürdig und überholt. Die Annahme, dass kognitive Prozesse wie Aufmerksamkeit in ähnlicher Weise funktionieren wie die Verarbeitung von Informationen durch einen Computer, wirkt auf mich vereinfachend und vernachlässigt die Komplexität menschlicher Gehirnfunktionen und Verhaltensweisen. Diese Betrachtungsweise führt mich zu der Überlegung, dass die Grundlagen, auf denen ADHD aufbaut, möglicherweise nicht die nötige Tiefe und Differenziertheit aufweisen, um ein vollständiges Bild der damit verbundenen Verhaltensweisen und ihrer Ursachen zu liefern.


Die mangelnde Plausibilität der theoretischen Grundlagen von ADHD




Die Annahmen der biologischen Psychiatrie und der kognitiven Psychologie, die zur Schaffung von ADHD beitrugen, scheinen mir nicht mit dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand vereinbar zu sein. Insbesondere die Vorstellung, das Gehirn funktioniere wie ein Computer oder sei durch Genetik vorprogrammiert, wirkt auf mich überholt und simplifizierend. Diese Sichtweisen vernachlässigen die dynamische und interaktive Natur menschlichen Verhaltens und die Komplexität des menschlichen Gehirns. Es erscheint mir, als ob wichtige Aspekte wie die individuelle Entwicklung, Umwelteinflüsse und die Einzigartigkeit jeder menschlichen Erfahrung in diesen Theorien nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Diese Erkenntnis führt mich zu der Schlussfolgerung, dass die Grundlagen von ADHD möglicherweise zu eng und begrenzt sind, um die Vielfalt und Komplexität der damit verbundenen Verhaltensweisen adäquat zu erfassen und zu erklären.


ADHD nach dem DSM-III




Obwohl ADHD weiterhin als psychiatrische Störung diagnostiziert und behandelt wird, scheint es mir, dass die Gründe für seine anhaltende Akzeptanz eher in den Interessen bestimmter Gruppen als in soliden wissenschaftlichen Belegen liegen. Insbesondere die Theorie von Russell Barkley über ADHD, die ich als informationsverarbeitendes Modell kritisch betrachte, hat zu dieser Akzeptanz beigetragen. Barkleys Theorie, die darauf abzielt, die Aufmerksamkeitsdefizite bei ADHD durch eine Beeinträchtigung der Verhaltenshemmung zu erklären, scheint mir eine Vereinfachung zu sein, die die Komplexität des Problems nicht ausreichend berücksichtigt. Darüber hinaus wirft die Tatsache, dass seine Theorie in der wissenschaftlichen Gemeinschaft weit verbreitet und anerkannt ist, für mich Fragen hinsichtlich der Kriterien auf, die zur Bewertung und Akzeptanz wissenschaftlicher Theorien in der Psychiatrie verwendet werden. Diese Beobachtungen führen mich zu der Überlegung, dass die Gründe für die fortgesetzte Akzeptanz von ADHD möglicherweise mehr in den sozialen und ökonomischen Interessen bestimmter Gruppen als in einer soliden wissenschaftlichen Fundierung liegen.


Mein Fazit


Die Kritikpunkte, die bereits vor Jahrzehnten gegenüber den Vorläufern von ADHD geäußert wurden, scheinen mir heute immer noch relevant. Die wissenschaftliche Grundlage von ADHD steht für mich weiterhin in Frage. Ich plädiere dafür, dass zukünftige Forschungen und Theorien komplexe Beziehungen zwischen Natur und Erziehung berücksichtigen sollten, anstatt eindimensionale Erklärungen zu bevorzugen. Nur so können wir hoffentlich zu einem tieferen Verständnis der Verhaltensweisen gelangen, die aktuell als symptomatisch für eine Störung betrachtet werden. Dieser Ansatz erfordert eine multidisziplinäre Perspektive, die sowohl biologische als auch psychologische, soziale und umweltbedingte Faktoren berücksichtigt. Eine solche Herangehensweise könnte es uns ermöglichen, die individuellen Unterschiede und die Vielfalt menschlicher Erfahrungen besser zu verstehen und zu respektieren, anstatt sie vorschnell in starre diagnostische Kategorien einzuordnen. Letztendlich hoffe ich, dass durch eine solche umfassendere und tiefere Betrachtungsweise ein besseres Verständnis und eine effektivere Unterstützung für Kinder und Erwachsene mit diesen Verhaltensweisen erreicht werden kann.

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