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Ernährung in Wundheilung & Reha - was du wissen darfst

Ernährung als Rolle in der Heilung


Mittlerweile wissen auch Laien, dass die Ernährung bei vielen metabolischen Prozessen eine große Rolle spielt. Jedoch habe ich das Gefühl, dass es vielen noch nicht bewusst ist, dass die Ernährung, insbesondere die Proteinzufuhr während Krankheit und Verletzung vom Körper abverlangt wird, damit dieser optimal heilen und wieder belastbar werden kann. Ich persönlich kenne sehr viele Menschen, die während ihrer Erkrankung wie zum Beispiel eine herkömmliche Grippe oder ein Bandscheibenvorfall ihren Körper weiterhin mit Nikotin, Alkohol, Weizen und mit zu wenig essenziellen Nährstoffen versorgt haben. Es wird zwar von Ärzten & Therapeuten routinemäßig kommuniziert, jedoch wird die Wichtigkeit der Ernährung in der Aufklärung mit einem Minderton vermittelt. Ich glaube, weil auch selbst Ärzten und Therapeuten die enorme (Aus)wirkung der Ernährung auf Physiologie noch nicht so bewusst ist, wie es sein sollte.


Mindset hinter Ernährung


Die Psychologie hinter der Missachtung der Ernährung ist ja ganz einfach: der Mensch schert sich nicht um die Ernährung, weil die Ernährung keinen unmittelbaren symptomatischen Effekt auf seinen Alltag oder seine Gegenwart hat. Und wenn die Ernährung einen unmittelbaren Effekt haben sollte, dann werden diese Effekte wie zum Beispiel erhöhte kognitive Leistungsfähigkeit durch Zufuhr essenzieller Aminosäuren aus rotem Fleisch, nicht der Ernährung zugeordnet. Der industrielle Mensch 2022 hat kaum noch die Fähigkeit seine metabolischen Prozesse zu identifizieren und Bedürfnisse korrekt zu interpretieren.


Wenn der Mensch Alkohol trinkt und zu viel trinkt, kann er seine Betrunkenheit definitiv dem Alkohol zuordnen. Wenn der Mensch sich schlecht ernährt und müde ist, unter niedrigem Libido leidet, Schmerzen hat usw. wird er viele Gründe finden, die nichts mit Ernährung zu tun haben, um Hauptsache keine Verantwortung übernehmen zu müssen.


Denn sich ausreichend und gut zu ernähren bedeutet für viele, Verantwortung übernehmen, sich darüber bewusst werden, was das richtige und was das falsche ist und schlussendlich ist Ernährung damit verbunden, dass man sich mindestens zwei bis dreimal am Tag Nahrung zuführt und das wiederum Arbeit bedeutet.



Ernährungsbedürfnisse im Rehabilitationsprozess


Körperliche Belastungsanforderung oder eben genau das maximale Gegenteil und fehlende komplementäre Maßnahmen führen zu hohen Verletzungsrisiken. Wenn eine Verletzung sich schlussendlich etabliert, will der Betroffene so schnell es geht wieder auf die Matte. Arbeiten, Sport machen und den Alltag fortführen. Die Ernährung kann die Reha in jedem Fall massiv verschlechtern oder massiv verbessern.


Bezogen auf Verletzungen:

Verletzungen lösen schnell Entzündungsprozesse aus, die wiederum die Wundheilung von Weichgewebe- und Knochenreparatur bewirken. Erst durch die Entzündungsprozesse fängt die Wundheilung an.

Bildquelle: frontiersin.org


Bereits ab der Verletzung muss auf eine ausreichende Energie- und Proteinzufuhr geachtet werden. Nebst dem Makronährstoffbedarf ist für die Wundheilung Mangan, Calcium, Vitamin D, Zink, Kupfer und Vitamin C äußerst wichtig. Selbst der bereits vorhergegangene Mangel kann die Wundheilung stark beeinträchtigen. Man beachte durchschnittliche Menschen haben überdurchschnittlichen Nährstoffmangel bei gleichzeitigem Kalorienüberschuss. Irgendwie pervers.



Sportverletzungen und Wundheilung

Im Sport treten die meisten Verletzungen dann auf, wenn intensive und nicht tragbare Kräfte auf ein System wirken wie z.B. in der Muskelkontraktion, was wiederum die systematische und lokale Entzündung nach Auftritt der Verletzung verschlimmert.


Es gibt mittlerweile NEM (Nahrungsergänzungsmittel), die tatsächlich einen physiologischen Vorteil bei Wundheilung bringen wie z.B. der Wirkstoff der Kurkumawurzel "Curcuminoide".


Bei einer Kundin des Super Saya Gyms haben wir bereits ab Phase 1 des Trainings eine hohe Menge an Curcumin und Omega-3 EPA empfohlen, weil sie schon seit langer Zeit eine "Schleimbeutelentzündung" (Gänsefüßchen, weil darüber noch ein Artikel kommt) mit sich schleppte und sowohl der Orthopäde als auch der Physio leider keine Lösung brachten. 5 Wochen später = Nichts mehr. Nada & nunca.. Fragt sie selbst.

Die Studienlage zu diesen Wirkstoffen bedarf noch einigen Sammlungen an Daten, doch die Praxis, auch ablesbar anhand Entzündungswerte im Blut oder Entzündungserkennung bei orthopädische Diagnose zeigt Erfolge.



Wie schnell baut man nach einer Verletzung ab?


Zuerst folgt die Heilungsreaktion mit Narbenbildung und daraufhin die Rehaphase, die womöglich von größter ernährungsphysiologischer Bedeutung ist, denn für viele Verletzte heißt es was? Richtig. Schonen, Ausruhen, nicht belasten usw.


Die Nichtbenutzung des betroffenen Körperteils oder sogar die Kette, die davon unmittelbar betroffen ist sorgt für Beschleunigung des raschen Abbaus von Weichteilen und Knochen.


  • Skelettmuskel scheint am anfälligsten für Folgen von Nichtnutzung zu sein

  • Die Reduktion von Muskelmasse durch zurückgegangene Krafterzeugungskapazität scheint bereits nach wenigen Tagen sichtbar zu sein

  • Eine Knochentmineralisierung tritt bereits eine Woche nach Nichtbenutzung auf

  • Sehnengewebe ist zwar bei Nichtbenutzung widerstandsfähiger gegen Atrophie, jedoch zeigt sich nach 2 Wochen die Störung durch Stoffwechselaktivität- und funktion


Die genannten Punkte weisen stark darauf hin, dass man während der Reha den Energie- und Proteinbedarf temporär anpassen sollte, sprich erhöhen sollte, damit eine Dekonditionierung vermieden werden kann.


Viele Personen essen zu wenig, wenn sie krank oder verletzt sind, weil sie glauben, dass sie sonst dick werden, weil sie sich ja sowieso nicht bewegen.

- Man soll ja auch mehr Protein essen und nicht Coupons bei McDonalds einlösen.



Ablauf & Nährstoffbedarf in Wundheilung


  • Entzündungsphase: Vitamin A fördert die Freisetzung von Zytokinen

  • Bromelain und Aminosäuren verhindern die Verlängerung der Entzündungsdauer

  • Vitamin C fördert die Migration von Neutrophilen und Aktivierung von Lymphozyten

  • Poliferative Phase: Vitamin C wird für die Synthese von Kollagen benötigt

  • Glucosamin steigert die Hyaluronsäureproduktion

  • Zink wird für die DNA-Proteinsynthese und Zellteilung benötigt

  • Umbauphase: Aminosäuren und Proteine spielen die Schlüsselrolle in der Wundnarbenstabilisierung


Protein - die wichtigste Rolle in der Reha


Ein Proteinmangel und der beschleunigte Abbau der Muskulatur zeigt sich ohnehin schon bei einer nichtverletzten Person. Bei Verletzung und einem überstrapazierten Metabolismus durch Wundheilung steigt der Bedarf umso mehr. Allerdings nicht der essenzielle Bedarf.

Vergleichen wir das mit Sprit für das Auto. Einen Verbrenner mit Benzin zu betanken ist notwendig zum Vorankommen. Ein Auto mit Super Bleifrei zu betanken ist nicht notwendig, aber verbessert die Leistung. Ein Auto mit Super+ zu betanken ist nicht notwendig, aber verbessert die Leistung noch mehr.


Die Wunde wird bei Mindestbedarf an Protein heilen, jedoch bedeutet die Mindestversorgung gleichzeitig eine globale Mindestversorgung des ganzen Systems während einer Wundheilung, die das System mehr als mindest beansprucht. Wer auf Reservetank fährt sollte keinen Bleifuß haben ^^



Aminosäurenprofil & Kollagen


Eine leucinreiche Proteinquellen sollte während der Reha präferiert werden. Die individuelle Proteinzufuhr, die auf Daten und Fallstudien basiert liegt bei 1,6-2,5g/kg Körpermasse. Kollagen sollte besonders bei Verletzungen zugeführt werden, da die Rate der Knochenkollagenproteinsynthese als Antwort auf die Proteinbereitstellung zunimmt. Kollagen ist anscheinend auch resistent gegenüber der anabolen Wirkung von Proteinen.

Zwei weitere wichtige Aminosäuren, die ausreichend untersucht wurden sind Arginin und Glutamin. Arginin ist ein Vorläufer von Stickstoffmonoxid und Prolin, die für die Entzündungsprozesse und Kollagensynthese notwendig sind. Arginin aktiviert beteiligt ebenfalls T-Zellen und die Produktion und Sekretion von Wachstumshormonen. Glutamin hingegen wirkt aufgrund seiner metabolischen, enzymatischen, antioxidativen und immunologischen Eigenschaften mehrere Rollen in diesem Prozess. In Wunden schützt es vor dem Risiko infektiöser und entzündlicher Komplikationen, indem es die Expression von Hitzeschockproteinen hochreguliert. Glutamin ist auch ein Vorläufer von Glutathion – ein Antioxidans und ein wesentlicher Kofaktor mehrerer enzymatischer Reaktionen, das für die Stabilisierung von Zellmembranen und den Transport von Aminosäuren durch sie wichtig ist.


Der Energiebedarf in der Reha kann von Verletzung zu Verletzung unterschiedlich sein. Ein besonderes Fallbeispiel ist ist ein Profifußballspieler der Premier League, der in den ersten 6 Wochen seiner Verletzung (ACL) seinen Energiebedarf auf ca. 3100 kcal/Tag berechnet bekommen hat, welche dem Energiebedarf von Spielern in einem Training nahekommt.



Vitamine - die am besten untersuchten Mikronährstoffe im Wundheilungsprozess


Vitamin A ist wichtig für die B- und T-Zell-Funktion und die Antikörperproduktion während der Entzündungsphase. Es hilft bei der der Epithelisierung (Regeneration der Wunde), unterstützt die Kollagensynthese und die Entwicklung von Granulationsgewebe und in der Profilerations(zweite Wundheilungsphase) - und Umbauphase.


Zu den Vitaminen werde ich eine gesamten Artikel veröffentlichen, da dies ein sehr umfangreiches Thema ist.




De facto:


Aufgrund des metabolischen Aufwands der Regeneration sollte sichergestellt werden, dass eine Person so gut wie möglich das Energiegleichgewicht wiederhergestellt bekommt und darin bleibt. Viel wichtiger ist die Bedeutung der Nährstoffe innerhalb der Energiebilanz, die maßgeblich für die optimale Versorgung von Reha ist.



Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.



Coach Oz











Single trauma vs multi-trauma injuries: https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fimmu.2020.01056/full

Proteinsynthese und Atrophie:

Wall BT, Snijders T, Senden JMG, et al. Disuse impairs the muscle protein synthetic response to protein ingestion in healthy men. J Clin Endocrinol Metab 2013;98:4872–81.

Knochenentmineralisierung nach 24 Tagen:

Rittweger J, Winwood K, Seynnes O, et al. Bone loss from the human distal tibia epiphysis during 24 days of unilateral lower limb suspension. J Physiol 2006;577:331–7.

Wundheilung & Ernährung:

Palmieri B, Vadalà M, Laurino C. Nutrition in wound healing: investigation of the molecular mechanisms, a narrative review. J Wound Care. 2019 Oct 2;28(10):683-693. doi: 10.12968/jowc.2019.28.10.683. PMID: 31600106. Wirkung von Curcumin:

Barchitta M, Maugeri A, Favara G, Magnano San Lio R, Evola G, Agodi A, Basile G. Nutrition and Wound Healing: An Overview Focusing on the Beneficial Effects of Curcumin. Int J Mol Sci. 2019 Mar 5;20(5):1119. doi: 10.3390/ijms20051119. PMID: 30841550; PMCID: PMC6429075.

Stoffwechselaktivität- und funktion bzgl. Sehnengewebe:

de Boer MD, Maganaris CN, Seynnes OR, et al. Time course of muscular, neural and tendinous adaptations to 23 day unilateral lower-limb suspension in young men. J Physiol 2007;583:1079–91. & Dideriksen K, Boesen AP, Reitelseder S, et al. Tendon collagen synthesis declines with immobilization in elderly humans: no effect of anti-inflammatory medication. J Appl Physiol 2017;122:273–82.

Leucinreiche Ernährung und Reha:

15 Rodríguez Rodríguez F, Delgado Ormeño A, Rivera Lobos P, et al. [Auswirkungen einer ß-Alanin-Supplementierung auf Wingate-Tests bei Universitäts-Fußballerinnen]. NutrHosp 2014;31:430–5.

Kollagenproteinsynthese im menschlichen Körper:

Babraj JA, Smith K, Cuthbertson DJR, et al. Die menschliche Knochenkollagensynthese ist ein schneller, durch die Ernährung modulierter Prozess. J. Bone Miner Res 2005;20:930–7.

Energieverbrauch eines Fußballspieler der Premier League:

Anderson L, Close GL, Konopinski M, et al. Fallstudie: Muskelatrophie, Hypertrophie und Energieverbrauch eines Fußballspielers der ersten Liga während der Rehabilitation nach einer Verletzung des vorderen Kreuzbandes. Int J Sport Nutr Exerc Metab 2019;29:559–66.

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